Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer des P-Seminars „Auf den Spuren des Widerstands“ erarbeiteten im letzten Schuljahr als Projekt eine Stadtführung, die zu Stationen des Lebens und Wirkens mehr oder weniger bekannter und auch vergessener Menschen sowie zu geschichtsträchtigen Plätzen in Regensburg führt, die auf unterschiedlichste Weise im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen das NS-Regime stehen.
Dieses P-Seminar-Projekt wurde bereits zu Beginn mit einem Stipendium für aktive Erinnerungsarbeit „Mut und Menschlichkeit“ der Georg-Walser-Stiftung, die Projekte für Zivilcourage und Widerstand gegen Rechtsextremismus und Unrecht unterstützt, finanziell gefördert. Das Stipendium „Mut und Menschlichkeit“ soll zur Beschäftigung mit Widerstand gegen Diktatur und Unrecht anregen und ist nach dem Journalisten Georg Walser (1969-2020) benannt, der sich zeitlebens beruflich und ehrenamtlich mit vergessenen Gegnerinnen und Gegnern des Nationalsozialismus befasst hat.
Bei der Stadtführung am 17. Juli 2025 (Flyer siehe Anhang), die zugleich Abschlusspräsentation des P-Seminars war, leiteten die Schülerinnen und Schüler eine interessierte Öffentlichkeit an Plätze in Regensburg, an denen diese widerständigen Menschen gelebt oder gewirkt hatten, und führten durch deren Geschichten:
Die Stadtführung in Regensburg beginnt mit der Erinnerung an Elly Maldaque vor der „Von der Tann-Schule“, die vor kurzem erfreulicherweise in „Elly-Maldaque-Schule“ umbenannt wurde. Von dort geht es zur ehemaligen Gestapo-Zentrale - dem Gebäude der heutigen Polizei im Minoritenweg -, in der zahlreiche Verbrechen des NS-Regimes begangen und juristisch abgesegnet wurden. Auch Dr. Johann Mayer wurde hier verhaftet und zum Tode verurteilt, woran eine Gedenksäule auf dem Dachauplatz erinnert und wo deshalb die nächste Station hinführt. Anschließend rückt das Gebäude des heutigen „Snipes“ in der Maximilianstraße in den Fokus, bei dem an jüdische Geschäftsleute erinnert wird, die gezwungen wurden, ihr Geschäft aufzugeben. Über den aufgrund der politischen Umstände nur selten möglichen jüdischen Widerstand erzählt die Geschichte von Alice Heiß, die vor der Regensburger Synagoge zum Thema wird. Von dort werden die Teilnehmenden weiter zum Neupfarrplatz geführt, wo an zahlreiche Widerständler erinnert wird, die von den Nationalsozialisten als sog. „Neupfarrplatzgruppe“ überwacht wurde. Josef Bollweins Geschichte steht hier stellvertretend für unterschiedlichste Arten des damaligen Widerstands der Menschen, die sich regelmäßig am Kiosk am Neupfarrplatz trafen. Anschließend wird am Watmarkt 5, dem „Emilie-Schindler-Haus“, an sie und ihren Mann Oskar Schindler erinnert. Beide retteten mehr als tausend jüdische Menschen vor dem sicheren Tod und lebten nach dem Krieg für kurze Zeit hier in Regensburg. Abschluss der Stadtführung ist eine Station am Rathaus, wo anhand der Biografien von Hans Weber und Josef Rothammer, die ebenfalls Beispiele für widerständige Menschen sind, neben mutigem Handeln auch Ambivalentes im Umgang mit dem Nationalsozialismus gezeigt wird.
Die gesamte Stadtführung wurde von den Schülerinnen und Schülern - erweitert um zusätzliche Stationen - auch digital erstellt (Link) sowie ein Begleitheft dazu kreiert (Link). Diese Materialien waren schließlich Grundlage für eine Teilnahme am Oberstufenwettbewerb 2026 der Stadt Regensburg, bei dem das Seminar den P-Seminarpreis gewonnen hat, und sind nun aufgrund zahlreicher Nachfragen auch öffentlich zugänglich.
Die Stadt Regensburg hob bei der Preisverleihung am 24.06.2026 das Verdienst des P-Seminars hervor, Widerstand in Regensburg aufzuzeigen und vor dem Vergessen zu bewahren. Als Anerkennung wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Urkunde ausgezeichnet und erhielten zudem einen Wertgutschein.
Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnerinnen und Gewinnern für diese wertvolle Arbeit!
Dr. Eva Zametzer
P-Seminarleiterin